Über 400 Jahre alter Kelch
wieder in der Kirchengemeinde Beuern

Von Manfred Schaake

Kelch nach aufarbeitun g 1 Stufe verkleinertBeuern. Große Freude im kleinen Beuern: Die evangelischen Christen in den Felsberber Stadtteil können das Abendmahl bald mit einem Kelch feiern, der zwischen 1603 und 1609 in Nürnberg als Pokal hergestellt worden war. George Fokorot hatte den Kelch 1636 an die Kirche in Beuern – damals Bieren – gestiftet. Bis 1911 befand er sich in ihrem Besitz. Dann verschwand er zunächst spurlos. Im Nachlass einer Kasseler Familie ist er wieder aufgetaucht. Die Kirchengemeinde Beuern hat ihn gekauft.

Festlicher Schmuck und fromme Spende

Ein Nürnberger Pokal aus dem frühen 17. Jahrhundert für das Abendmahl in der evangelischen Kirchengemeinde in Beuern. Unter diesem Motto wurde der zurückgekehrte Kelch jetzt in dem Gotteshaus vorgestellt. Es war 1690 geweiht worden. Der Kelch ist also älter als das jetzige Gotteshaus. 1640 war die alte Kirche durch kaiserliche Truppen zerstört worden. Man vermutet, dass die Abendmahlskelche im 30-jährigen Krieg geraubt wurden und George Fokorot der Kirche diesen silbernen, früher vergoldeten, und mit reichen Ornamenten verzierten Kelch als Ersatz geschenkt hat.

Pfarrer Bernd Hochschorner begrüßte vor den Christen einen Spätheimkehrer und sprach von einer spannenden und sonderbaren Geschichte zugleich. In der Chronik von Pfarrer Heussner wird dieser Kelch 1911 letztmals schriftlich erwähnt. Hochschorner: „In einer nächsten Bestandsaufnahme der Landeskirche Anfang der vierziger Jahre ist er nicht mehr dabei. Erst im Spätsommer 2014 wird er einem Nachlass in Kassel entdeckt.”

Der Kirchenvorstand Beuern hat entschieden, den Kelch für 1000 Euro zurück zu kaufen – siehe weiteren Bericht. Dieser Kelch, sagt der Pfarrer, ist wegen seiner Einmaligkeit von besonderer Bedeutung. Und er sei ein bedeutendes Sakralgefäß des Glaubens und der christlichen Gemeinschaft über Jahrhunderte hinweg: „Es verband die Generationen von Christinnen und Christen in Beuern miteinander. Den man trank ja aus dem gleichen Kelch und teilte sich ihn.”

In der Werkstatt von Kunstgoldschmied Alexander Schulgin in Bad Arolsen wird der Kelch restauriert. Der Fachmann hat das sehr stark oxydierte Gefäß gereinigt, Risse geschweißt, neue, schonende Techniken angewandt. Für ihn ist es eine besondere Freude, dass er „dieses wunderschöne Stück” wieder zu neuem Leben erwecken darf: „Eine unglaublich schöne Arbeit.”

Das sei ein wunderbarer Kelch, sagte Dr. Götz J. Pfeiffer, der Kunstreferent der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Als er das erste Foto des nur 16,5 Zentimeter hohen, aus 160 Gramm Silber gefertigten Kelchs mit vasenartigem Mittelteil gesehen habe, habe er gesagt: „Das ist ja unglaublich.”

Das sei ein Schätzchen. Weniger als fünf Prozent der Kelche der Landeskirche seien so alt. Die Nürnberger Goldschmied-Familie Ritter habe in fünf Generationen Schätze geschaffen, die heute im Kreml, in der Münchener Residenz, im Bayerischen Nationalmuseum und in Dresden ausgestellt seien. Die Christen in Beuern sind glücklich darüber, dass ihr Kelch nicht im Museum landete.

Ein Theaterstück über das Verschwinden?

Wie und warum der Kelch von 1636 aus Beuern später verschwand – niemand weiß es. Die Geschichte ist so interessant, dass man darüber ein Theaterstück schreiben könnte, hieß es während der Vorstellung. Kirchenvorsteher Heinz Wicke und Dorli Göbel erzählten, frühere Kirchenvorsteher und –älteste hätten berichtet, der Kelch sei nach Gensungen gekommen. In Gensungen aber sei gesagt worden, „bei uns ist der Kelch nicht mehr”. Seit über 50 Jahren werde über das Verschwinden diskutiert, sagt Wicke, seit 40 Jahren im Kirchenvorstand engagiert: „Heute sind wir alle überglücklich, dass er zu uns zurückgekehrt ist. Wir freuen uns auf das gemeinsame Abendmahl mit diesem herrlichen Kelch.” Aus Dankbarkeit schenkte Wicke dem Goldschmied und dem Kunstreferenten eine stracke ahle Wurscht aus eigener Produktion. (m.s.)

 

m.s.123 Felsberg Beuern Abendmahlskelch kehrt zurück in die Kirche

Foto: M. Schaake
Von Links: Pfarrer B. Hochshcorner, Dr. G.J. Pfeiffer, H. Wicke, A. Schulgin, E. Carstensen-Bretheuer
m.s.123 Felsberg Beuern Abendmahlskelch kehrt zurück in die Kirche
Foto: M. Schaake

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